Laufen am Main wird zum emotionalen Erlebnis

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Unsere Pressereferentin Tanja Weber sitzt mit Karsten Kannenberg, Leiter der Triathlonabteilung des Fun-Ball Dortelweil, bei Sonnenschein nach einer Trainingsausfahrt auf dem Niddaradweg auf der Terrasse im Schlosscafé Staden. Neben seiner ehrenamtlichen Vereinsarbeit ist der Projektmanager einer großen Frankfurter Bank seit 15 Jahren aktiver Triathlet und einer von vier Startern des Dortelweiler Vereins.

HTV: Karsten, du startest zum dritten Mal in Frankfurt, welche persönliche Benchmark hast du dir gesetzt?

Karsten Kannenberg: In der Gesamtzeit möchte ich gerne unter meiner bestehenden Bestzeit von 10:36 Stunden bleiben. Im Schwimmen heißt das, unter einer Stunde aus dem Langener Waldsee zu klettern. Auf dem Rad habe ich mir einen 35er-Schnitt vorgenommen. Da die Radstrecke baustellenbedingt anstatt 180 knapp 188 Kilometer lang ist, sind die Radsplits natürlich nicht direkt vergleichbar. Eine 3:40 für den Marathon wäre perfekt.

HTV: Welchen Stellenwert haben die Mainova Ironman European Championship für dich in deiner Saisonplanung?

Karsten Kannenberg: Natürlich ist Frankfurt für mich das absolute Highlight, ich starte aber auch noch für meinen Verein in der Hessischen Seniorenliga. Zwei Starts über die Olympische Distanz habe ich nach Frankfurt auf dem Schirm.

HTV: Was gefällt dir am IM Frankfurt besonders gut?

Karsten Kannenberg:  Frankfurt ist für mich als Bad Vilbeler ein Wettkampf vor der Haustür, ich spare Zeit, Geld und Stress, da ich nicht extra Tage vorher anreisen muss. Mir gefällt der Zweirundenkurs im Langener Waldsee, Radfahren durch meine Heimatstadt mit dem Heartbreak Hill. Die vier Laufrunden am Main entlang in Frankfurt sind von vielen Zuschauern gesäumt, so dass jeder Laufmeter zu einem emotionalen Erlebnis wird und gerade in den schwierigen letzten ein bis zwei Stunden viel Unterstützung garantiert ist.

HTV: Wie hast du dich im Training vorbereitet, welches waren deine Lieblingsstrecken?

Karsten Kannenberg: Ich habe zu Hause trainiert und acht Urlaubstage geschickt verteilt eingesetzt. Auf dem Rad ging es bei meinen langen Touren - dreimal habe ich einen 200er abgespult - bevorzugt in den verkehrsarmen Vogelsberg. Neben dem Grundlagentraining wurden natürlich auch Intervalle im Racetempo von 15 bis 30 Minuten integriert und zwei Wettkämpfe im Vorfeld eingebaut, um die nötige Tempohärte aufzubauen. Seit März bin ich zehn 30er gelaufen, teils mit Endbeschleunigung auf den letzten fünf Kilometern. Im Schnitt lag mein wöchentlicher Laufumfang allerdings nur bei 40 Kilometern und mein Trainingspensum insgesamt bei 10 Stunden, da ich immer in Blöcken trainiert und reichlich Ruhewochen eingebaut habe. Ich fühle mich jedenfalls gut vorbereitet, da mein Körper mitgespielt hat und ich im Vorfeld weder verletzt noch krank war.

HTV: Worauf achtest du in der Ernährung, gibt es Besonderheiten, auf die Ausdauersportler Wert legen sollten?

Karsten Kannenberg: Ich ernähre mich mittlerweile relativ ausgewogen, d.h. ein sparsamer Umgang mit „leeren“ Kohlehydraten wie Reis, Nudeln, Kartoffeln und Getreide. Zudem achte ich auf viel Gemüse und die Proteinzufuhr besonders nach den Trainingseinheiten, die den Muskelaufbau nach hartem Training und die Regeneration fördern. In der letzten Woche vor dem Ironman halte ich von Sonntag bis Mittwoch eine Saltindiät ein, d.h. verzichte bewusst auf Kohlehydrate um die Speicher zu leeren. Ab Donnerstag geht es dann an das Carboloading, um am Ironman alle Speicher optimal gefüllt zu haben.

HTV: Wie bringst du das zeitintensive Training mit deiner Familie – du bist verheiratet und hast zwei Kinder - und deinem Job als Projektmanager in Einklang?

Karsten Kannenberg: Ich verbinde das Training oft mit meinem Arbeitsweg nach Frankfurt, habe meine Laufsachen im Büro und laufe dann an der Nidda nach Hause. Als meine Kinder klein waren, bin ich teilweise sonntags im Sommer bei Sonnenaufgang losgefahren, um mit Brötchen zum Frühstück wieder zu Hause bei der Familie zu sein. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

HTV: Wie bist du zum Triathlon gekommen, wo liegen deine sportlichen Wurzeln?

Karsten Kannenberg: Im Grundschulalter bin ich im Schwimmverein in der Eifel geschwommen, habe so die Technikgrundlagen gelegt. Außerdem war ich von Kind an Handballer. Als ich studiert habe, war Handball kaum möglich, da man dafür ein Team braucht. Durch den Ironman wurde ich 2003 inspiriert und habe so zum Triathlon gefunden. Mein erster Wettkampf war der Maibacher Triathlon bei Butzbach, an dem ich mit Mountainbike und Umziehen auf der Freibadwiese völlig unprofessionell den Einstieg, aber auch Spaß an der vielseitigen Sportart gefunden habe. 2004 lief ich meinen ersten Marathon, 2005 dann der erste Ironman mit dem Ziel, den roten Teppich auf dem Römer zu überqueren. Was mir auch mit einem Lächeln gelungen ist.

HTV: Du bringst dich seit Jahren aktiv in die Vereinsarbeit des Fun-Ball Dortelweil ein und leitest die 2008 gegründete Triathlonabteilung. Welche Schwerpunkte gehören zu deinem ehrenamtlichen Aufgabenfeld?

Karsten Kannenberg: Derzeit haben wir 50 Mitglieder in unserer Triathlonabteilung, die meisten davon aktiv. Wir stemmen fünf Mannschaften in der Hessischen Triathlonliga: 1. und 2. Senioren- und Mastersliga, 4. Hessenliga Herren und 2. Hessenliga Frauen. Das muss organisiert werden, viermal in jeder Liga das Team mit jeweils vier bzw. fünf Einzelstartern zusammengestellt und für die einzelnen Wettkämpfe online gemeldet werden, Startgelder überwiesen und Preisgeldchecks beim Verband eingereicht werden. Außerdem pflege ich unseren Auftritt in den sozialen Medien wie Instagram oder die Homepage der Triathlonabteilung. Die Aufgaben der Abteilung haben wir aber mittlerweile auf viele Schultern verteilt, das macht insgesamt richtig Laune, weil alle mitziehen.

HTV: Karsten, vielen Dank für das interessante Gespräch! Wir wünschen dir viel Erfolg im 8. Juli und genieße jeden Moment!

 

 

 

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